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Review: TYRANNI – Dränkt av Livets Sekret (2024)

Mit „Dränkt av Livets Sekret“ offenbart TYRANNI eine Seite des schwedischen Black Metal, die weniger auf rohe Aggression als auf innere Zerrissenheit, existenzielle Schwere und emotionale Tiefe setzt. Das Album wirkt wie ein stiller Monolog – verzweifelt, introspektiv und zugleich von einer eigenartigen Würde getragen.

TYRANNI ist ein Projekt aus Schweden, das stilistisch klar im traditionellen, nordisch geprägten Black Metal verankert ist, sich jedoch konsequent von bloßer Nostalgie löst. Statt Ideologien oder äußerer Provokation stehen hier menschliche Abgründe, Vergänglichkeit und das Ringen mit dem eigenen Dasein im Mittelpunkt. Der Albumtitel („Getränkt vom Geheimnis des Lebens“) deutet bereits an, dass es weniger um Antworten als um das Aushalten von Fragen geht. In dieser Hinsicht knüpft TYRANNI an eine Linie skandinavischer Black-Metal-Kunst an, die Melancholie und Isolation nicht als Pose, sondern als ernst gemeinte emotionale Zustände versteht. Musikalisch bewegt sich „Dränkt av Livets Sekret“ zwischen melodischem und atmosphärischem Black Metal, getragen von kalten, klar strukturierten Riffs und einem Gespür für Spannung statt Geschwindigkeit. Die Songs entwickeln sich meist langsam, bauen sich schichtweise auf und lassen Raum zum Atmen – oder besser gesagt: zum Ertragen. Die Gitarrenarbeit ist von einer melancholischen Melodik geprägt, die sich tief einprägt, ohne jemals pathetisch zu wirken. Das Schlagzeug bleibt überwiegend kontrolliert und dient dem Fluss der Stücke, statt ihn zu dominieren. Besonders hervorzuheben ist der Gesang: roh, leidend, oft verzweifelt klingend, aber nie überzeichnet. Er wirkt wie ein notwendiges Ventil für die emotionalen Themen des Albums. Die Produktion ist bewusst ungeschönt, aber klar genug, um die feinen melodischen Details nicht zu verlieren. Dadurch entsteht eine Balance zwischen Nähe und Distanz – ein typisches Merkmal vieler starker schwedischer Black-Metal-Veröffentlichungen. „Dränkt av Livets Sekret“ ist kein Album, das sich sofort erschließt. Es verlangt Aufmerksamkeit und eine gewisse Bereitschaft, sich auf seine Schwere einzulassen. Dafür belohnt es den Hörer mit einer dichten, ehrlichen Atmosphäre, die lange nachwirkt. Die Musik wirkt weniger zerstörerisch als resigniert – ein langsames Absinken statt eines plötzlichen Zusammenbruchs.

Mit „Dränkt av Livets Sekret“ liefert TYRANNI ein starkes, geschlossenes Album ab, das durch Melancholie, Zurückhaltung und emotionale Authentizität überzeugt. Es ist Black Metal, der nicht schreit, um gehört zu werden, sondern flüstert – und genau dadurch seine Wirkung entfaltet.


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