
Hier kommt Black Metal aus Deutschland. Im Ankündigungsschreiben zum zweiten Album von FULLMOON RITES wird erwähnt, dass der Kopf hinter dem Projekt bereits in mehreren Death-Metal-Bands aktiv ist und war. Namen, die mir allerdings gänzlich unbekannt sind. Das tut der Sache jedoch keinen Abbruch, denn „Ad Lucifer Aeternum Gloriam“ spricht für sich selbst.
Um es vorwegzunehmen: Das Album verströmt eine eindringliche Mischung aus hochkarätiger Melancholie und modernem Black Metal, der immer wieder Anleihen bei der frühen Neunziger-Schule nimmt. Die Stücke variieren geschickt zwischen extrem schnellen Passagen und deutlich langsameren Elementen, die stellenweise fast depressiv anmuten. So bewegt sich das Album tatsächlich in einer Art Wellenform mit einem stetigen mentalen Auf und Ab. Die Gitarrenriffs werden unaufhaltsam vom druckvoll produzierten Rhythmusfundament nach vorne geschoben und erzeugen eine dichte, oft bedrückende Atmosphäre. Gleichzeitig präsentieren Stücke wie „Deathwish“ einen ausgefeilten Spannungsbogen, der Härte und Zerbrechlichkeit gekonnt vereint. Marginal vertrackte Schlagzeugarbeit trifft hier auf vergleichsweise zugängliche Gitarrenläufe, während Sänger Patrick herrlich verzweifelt brüllt, aber ebenso einen angenehm sanften, beinahe klagenden Schreigesang einsetzt.
Ein absolutes Highlight des Albums ist jedoch „Geisterwald Akt II“. Der Track nimmt spürbar Tempo heraus und entfaltet gerade dadurch eine enorme Wirkung. Mit schleppenden Rhythmen, weitläufigen, melancholischen Gitarrenmelodien und einer fast schon geisterhaften Atmosphäre zieht der Song den Hörer tief in seinen Bann. Hier dominieren Gefühl und Stimmung über reine Aggression – der Titel wirkt wie ein düsterer Spaziergang durch einen nebelverhangenen Wald, getragen von innerer Leere und unterschwelliger Verzweiflung. „Geisterwald Akt II“ unterstreicht eindrucksvoll, dass FULLMOON RITES nicht nur auf Raserei setzt, sondern auch die leisen, introspektiven Momente beherrscht. Insgesamt zeigt sich das Album eingängig und robust zugleich. Das Schlagzeug klingt bewusst hölzern und stilistisch eher im Hintergrund gehalten, während die Gitarren ordentlich aus den Boxen sägen. Der kreischende Gesang gibt dem Ganzen schließlich den letzten, kompromisslosen Schliff.
Hier liegt ein gutes Album vor, das einem klaren roten Faden folgt und sich immer wieder in sensible, melancholische Klanglandschaften vorwagt. „Ad Lucifer Aeternum Gloriam“ ist kein revolutionäres Werk, aber ein überzeugendes Statement moderner Black-Metal-Kunst mit spürbarer emotionaler Tiefe. Das Album erschien als DigiCD bei Pesttanz Klangschmiede und Schattenpfade.














