
Die portugiesische Band ANZV, gegründet 2019, hat sich in der Black/Death-Metal-Szene schnell einen Namen gemacht. Ihr Stil verbindet rohe Intensität mit dichter, ritueller Atmosphäre und ist stark von alten Mythen, insbesondere der mesopotamischen Mythologie, inspiriert. Nach ihrem Debüt „Gallas“ liefern sie mit „Kur“ nun ein noch konzeptionell dichteres Werk.
„Kur“ ist ein Album, das nicht bloß unterhalten will, sondern hineinzieht. ANZV setzen weniger auf einzelne Songs als auf ein geschlossenes Werk, das wie ein dunkles Ritual funktioniert. Vom ersten Moment an liegt eine schwere, erdige Atmosphäre über der Musik, als würde man Schritt für Schritt in eine unterirdische Welt hinabsteigen. Musikalisch bewegt sich „Kur“ zwischen Black- und Death-Metal, ohne sich klar einer Seite zu unterwerfen. Die Gitarren sind rau, oft dissonant, manchmal fast monoton – aber genau diese Wiederholung erzeugt eine hypnotische Wirkung. Statt klassischer Hooks gibt es Spannungsbögen, die sich langsam aufbauen und erst spät entladen. Das Schlagzeug wirkt kontrolliert und unerbittlich, wie ein gleichmäßiger Puls, der die Hörer durch das Album treibt. Besonders auffällig ist die Atmosphäre: Kur klingt archaisch, kalt und feierlich zugleich. Die mythologischen Bezüge sind nicht bloß schmückendes Beiwerk, sondern prägen das gesamte Klangbild. Die Vocals sind tief, beschwörend, oft mehr Teil der Gesamttextur als klarer Mittelpunkt – sie wirken wie Stimmen aus der Ferne, nicht wie ein klassischer Frontmann-Auftritt. Das Album verlangt Geduld. Wer Abwechslung, eingängige Riffs oder klare Höhepunkte sucht, könnte Kur als gleichförmig empfinden. Doch genau darin liegt auch seine Stärke: ANZV halten konsequent an ihrer Vision fest und schaffen ein kohärentes, düsteres Gesamtwerk, das sich mit jedem Durchlauf weiter entfaltet.
„Kur“ ist kein Album für nebenbei. Es funktioniert am besten, wenn man sich Zeit nimmt, laut hört und sich auf die Stimmung einlässt. Für Fans von atmosphärischem, kompromisslosem Extreme Metal ist es eine eindrucksvolle Reise – roh, ritualistisch und schwer wie Stein.














