
Mit „Ur Evighetens Kittel“ gelingt der schwedischen Black‑Metal‑Formation NEITIAN ein dunkles, atmosphärisches Werk, das den Hörer in seinen Bann zieht wie ein uralter Bannkreis. Der Titel allein – übersetzt so viel wie „Aus dem Kessel der Ewigkeit“ – verspricht musikalisch eine Reise tief in vergangene Zeiten, in die Schatten der Wälder und unter die knorrigen Wurzeln der Natur selbst.
Das Album entfaltet seine Wirkung bereits im ersten Track „Vid underjordens domän“, einem düsteren, instrumentalen Prolog, der wie ein Blick in ein unterirdisches Reich wirkt – kalt, geheimnisvoll, voller Erwartung. Danach steigert sich die Musik in „Skogens kall“ zu einer zwölfminütigen Walpurgisnacht aus verzerrten, heftigen Gitarren, die zugleich roh und meditativ wirken. Die Produktion lässt viel Raum für die Atmosphäre: dicht, aber nie undifferenziert, so dass jede Passage wie ein eigener Gedanke im Flüstern des Waldes klingt. Besonders beeindruckend ist, wie NEITIAN lange, fast hypnotische Songlandschaften webt – etwa in „Under atmosfärisk talan“, das über zwölf Minuten Raum für Klangflächen, kreischende Gitarren und rhythmische Eskalation bietet, die wie ein innerer Sturm durch die Seele rast. „Inom granrotens död…“ schließlich ist mit über zwanzig Minuten ein monumentales Finale: ein zäh fließender, beinahe tranceartiger Schlussakt, der alles vorher Gehörte zu einem einzigen, dunklen Fluss verdichtet. Textlich bewegt sich das Album in den klassischen Themen des atmosphärischen Black Metal: Natur, Ewigkeit, Vergänglichkeit und inneres Ringen – begründet durch düstere Bilder und nordisch anmutende Titel. Dabei entstehen Songtitel wie „Ursprungets minne“, die eher wie Mythos denn wie Alltag klingen und den Hörer dazu einladen, tiefer in die Welt des Albums einzutauchen.
„Ur Evighetens Kittel“ ist ein intensives Album für Hörer, die Black Metal nicht nur als Musik, sondern als Erlebnis verstehen wollen: roh, weitläufig, unbarmherzig – und dabei seltsam schön in seiner düsteren Monolithik. Es ist kein Werk für den beiläufigen Konsum, sondern für nächtliche Hörsessions, in denen man sich ganz der schwedischen Klangwelt hingibt und dort verweilt, bis die letzte Melodie verhallt ist.














