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Konzertbericht: 22.05.2026 HORNA, RUNENWACHT & ASKEREGN in Erfurt

Am 22.05.2026 verwandelte sich das „From Hell“ erneut in einen düsteren Pilgerort für Black Metal Enthusiasten aus allen Himmelsrichtungen. Der Anlass: HORNA machten im Rahmen ihrer aktuellen Tour Halt in Erfurt. Unterstützt von RUNENWACHT sowie ASKEREGN. Bereits seit mehreren Wochen war die Veranstaltung restlos ausverkauft. Kein Wunder: HORNA an einem Freitag oder Samstagabend in Erfurt, dass kommt ungefähr so selten vor wie ein nüchterner Stammtisch um drei Uhr morgens. Bei sommerlich warmen Temperaturen ging es direkt nach Feierabend in die Thüringer Landeshauptstadt. Schon gegen 19 Uhr bildete sich eine stattliche Schlange vor dem Eingang des Clubs. Der Biergarten war geöffnet, das Bier floss in Strömen und die Stimmung war bereits vor dem ersten Ton ausgelassen. Alte Bekannte begrüßten sich, Kutten wurden begutachtet und irgendwo diskutierte garantiert jemand darüber, warum die erste Demo natürlich besser war als alles danach. Business as usual also.

Kurz nach 19:30 Uhr betraten ASKEREGN mit verändertem LineUp die Bühne. Frontfrau Belial und ihre Mitstreiter präsentierten Material ihres nach wie vor starken Debütalbums „Ascheregen“. Nebenbei erwähnt: Das Werk erscheint im Herbst als Doppel Vinyl über Sturmglanz Black Metal Manufaktur eine Nachricht, die bei Sammlern vermutlich bereits leichte Schnappatmung ausgelöst haben dürfte. Musikalisch gab es keinerlei Experimente oder unnötigen Firlefanz. ASKEREGN konzentrierten sich voll auf ihre Stärken: rohe Atmosphäre, aggressive Riffs und eine kompromisslose Bühnenpräsenz. Spätestens bei „Pogrom der Flammen“ war der Saal brechend voll und das Publikum endgültig angekommen. Ohne große Ansagen oder künstliche Inszenierung zog die Band ihr Set konsequent durch und bewies erneut, warum sie mittlerweile weit über die regionale Szene hinaus Beachtung findet. Stark wie immer.

Auf der gesamten Tour begleiten RUNENWACHT die Finnen von HORNA. Die Reise begann in Budapest, führte weiter nach Pilsen und machte nun Station in Erfurt, bevor Großerlach und Oberhausen folgen sollten. Sämtliche Deutschlandtermine waren inzwischen ebenfalls restlos ausverkauft ein deutliches Zeichen dafür, welchen Status sich die Formation mittlerweile erspielt hat.

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann Zeit für RUNENWACHT und was soll man sagen: Diese Band ist schlicht eine Naturgewalt. Das Duo um Schlagzeuger Werwolf und Rex versteht es meisterhaft, eine Setlist aufzubauen, die das Publikum von der ersten Minute an mitreißt. Kaum erklangen die ersten Takte, schnellten die Fäuste nach oben und die Zuschauer gröhlten Titel wie „Blut und Stahl“ lautstark mit. Das Schlagzeug donnerte erbarmungslos durch den Raum, die Gitarren sägten sich messerscharf durch die Boxenwände und die Energie zwischen Band und Publikum steigerte sich von Song zu Song immer weiter. RUNENWACHT lieferten keinen gewöhnlichen Auftritt ab das war ein regelrechter Abriss. Roh, intensiv und vollkommen auf den Punkt. Genau so muss Black Metal live funktionieren.

Auch HORNA ließen anschließend keine unnötige Zeit verstreichen. Nach wenigen Minuten Umbau begann das Ritual des Abends. Frontmann Spellgoth machte bereits zu Beginn deutlich, dass dieser Auftritt dem verunglückten und verstorbenen Resch Bartholomäus gewidmet sei jenem außergewöhnlichen Menschen, der mit großer Leidenschaft und Empathie sein atmosphärisches Festival in Abtenau aufgebaut und über Jahre hinweg geprägt hatte. Zwischen den einzelnen Stücken sprach Spellgoth immer wieder über die morbide und kranke Welt, in der wir leben. Dabei wurde deutlich, dass HORNA weit mehr transportieren wollen als reine musikalische Aggression. Die Flamme des Black Metals dürfe niemals erlöschen und jeder Einzelne trage Verantwortung dafür, diese weiterzutragen. An diesem Abend wirkte keine einzige Sekunde davon künstlich. Musikalisch präsentierten sich HORNA erneut in beeindruckender Form. Die ersten Stücke bewegten sich zunächst im mittleren Tempo, ehe das Set im Verlauf zunehmend intensiver, schneller und hypnotischer wurde. Eine düstere Klanglandschaft voller Nostalgie, Melancholie und Erinnerung breitete sich im „FROM HELL“ aus.

Dabei wurde auch spürbar, wie sehr sich HORNA über die Jahre entwickelt haben. Man erinnerte sich unweigerlich an frühere Auftritte, als Spellgoth noch im Mönchsgewand über die Bühne schritt und dem Publikum provokativ seinen blanken Piephan präsentierte und auf die Bühne pisste. Heute wirkt die Band deutlich spiritueller, fast schon zeremoniell. Die rohe Energie ist geblieben, doch sie wird inzwischen von einer tiefen Atmosphäre getragen, die weit über bloße Provokation hinausgeht. HORNA bleiben eine Band mit Charakter, Haltung und Prinzipien. Eine Formation, die sich konsequent abseits gesellschaftlicher Normen bewegt und dabei dennoch authentisch wirkt. Keine sterile Hochglanzproduktion, keine kalkulierte Attitüde sondern ehrlicher, kompromissloser Black Metal mit Seele.

Für mich persönlich kam dieser Abend genau zur richtigen Zeit. Es war einer dieser Konzertabende, die man einfach gebraucht hat voller Intensität, Leidenschaft und echtem Gemeinschaftsgefühl. Ein voller Erfolg auf ganzer Linie. Ein besonderer Dank gilt abschließend natürlich auch an den Veranstalter der Tour Stephan, der dieses Zusammenspiel aus Bands, Publikum und Atmosphäre Jahr für Jahr möglich macht und damit immer wieder beweist, dass das „FROM HELL“ nach wie vor zu den wichtigsten Anlaufstellen der Szene gehört.


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