Der Pestbote - Druckausgabe

Sturmglanz Produktionen

Sturmglanz Produktionen ist ein Teil der Sturmglanz Black Metal Manufaktur und hat sich darauf spezialisiert Black Metal zu veröffentlichen. Neben Tapes, Vinyl oder CD in regulären sowie limitierten Auflagen werden auch Shirts und Zipper realisiert. Alle Veröffentlichung findet ihr hier in unserem Sturmglanz Black Metal Store.  [ zu Sturmglanz Produktionen ]

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Black Death Sign wird von Marcus Ludwig aus Franken betrieben. In der Black/Death Metal Szene hat er sich mit seinem eigenen Grafik Stil schon einen recht guten Namen gemacht. Auch einige Bands haben seine Dienste schon für T-Shirt Design und Cover-Artwork in Anspruch genommen. Um mehr über seine Arbeiten zu erfahren... [ Interview lesen ]

 

Sturmglanz Veröffentlichung

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Nargaroth - Vietnam, Touralbum & „Dead Soul Requiem“

Black Metal und Vietnam. In diesem Zusammenhang fällt dem Leser wohl auf Anhieb keine logische Verbindung ein. Fand da nicht vor ein paar Wochen, genauer gesagt am 19. Januar 2013, das erste internationale Black Metal Konzert in Vinh Hung, Hoang Mai mit niemand geringerem als NARGAROTH statt? Dass Ash sich mit seinem unverwechselbaren Liedgut öfters an außergewöhnlichen Orten wie z.B. Südamerika herumtreibt, ist seit langen kein Geheimnis mehr. Nun aber erstmalig in Vietnam. Was ihn dazu bewogen hat, in die asiatische Provinz zu reisen, um den westlichen Black Metal in die Sozialistische Republik Vietnam zu transportieren? Weiterhin sprechen  wir über die aktuelle 7“EP  von Drowning the Light „Dead Soul Requiem“, auf der Ash die Lyrics sowie die Vocals beigesteuert hat und was es mit dem vor kurzem erschienenen Touralbum „Black Metal manda Hijos de Puta“ auf sich hat.

 

 

 

 

 

Sturmglanz: Fangen wir am Besten ganz von vorne an. Venezuela, Ecuador, Uruguay oder Mexico sind für dich mittlerweile alles bekannte Staaten, in denen du mit Nargaroth aufgetreten bist. Jetzt bist du erstmalig in Vietnam gewesen. Wie kam dieser Gig zustande?

 

Ash: "Ich sitze gerade im Flugzeug nach Kanada, wo wir auf dem 'Messe des Morts Festival' spielen werden und nach stressvollen letzten Wochen gibt mir der Flug über den Atlantik die nötige Ruhe, mich deinen Fragen zu widmen. Vor einigen Jahren kontaktierte mich bereits ein vietnamesischer Fan und schrieb mir hinsichtlich seiner tiefen Gefühle gegenüber NARGAROTH, was mich damals ziemlich erstaunte, da ich in Vietnam keine Black Metal - und somit auch keine NARGAROTH - Hörerschaft vermutete. Es blieb bei einem losen Kontakt, bis er mich Mitte des letzten Jahres mit einer Konzertanfrage anschrieb, die ziemlich zügig konkrete Formen annahm und auf den 19. Januar 2013 festgesetzt wurde.

 

Sturmglanz: Ich kann mir vorstellen, dass die Organisation des Konzertes nicht so einfach war, da Vietnam ja bekanntlich ein sozialistisches Land ist. Gab es irgendwelche Probleme mit dem Gig oder der Organisation? Vielleicht erzählst du uns, welche Vorbereitungen vor der Reise nötig waren und wie ihr den  gesamten Vietnamaufenthalt empfunden habt?

 

Ash: "Die Einreisemodalitäten und dementsprechenden Vorbereitungen waren von nicht größerem Aufwand geprägt als sie bei Reisen generell auftauchen. In die Vorbereitungen vor Ort hatten wir nicht viel Einblick, da unsere Gastgeber sehr bemüht waren, uns einen komfortablen Aufenthalt zu bescheren. Darüber hinaus gehört es in Asien auch nicht zum guten Ton, offen über Probleme zu reden - schon gar nicht mit einem Gast - und es wird einem bei Nachfragen häufig mit einem Lächeln und einer Beschwichtigung begegnet. Zwei Tage vor dem Konzert war der Veranstalter kaum noch zu sehen und wenn, sehr angespannt und aus den bruchstückhaften Informationen, die wir erhielten, konnten wir schließen, dass es Probleme mit dem Austragungsort gab (es sei eine Wand eingestürzt) und eine Ersatzlocation gefunden werden musste, was den Veranstalter vor eine ernorme Herrausvorderung stellte, da es kaum geeignete Venues für ein derartiges Event gab, bzw. die Besitzer mit massiven Vorurteilen besetzt waren.

 

Am Tage des Auftritts waren immer wieder dubios erscheinende Personen vor Ort, die sich angespannt mit dem Veranstalter unterhielten und für viel Chaos und Verwirrung sorgten. Während des Konzerts traten der Veranstalter bzw. seine Helfer an uns heran, dass wir das Set aufgrund von irgendwelchen „Lärmschutzbestimmungen“ kürzen sollten und in der Pause zum letzten Lied informierte er uns, das die Polizei draußen stehe und sie möglicherweise die PA runterdrehen müssten, was während des Songs (Seven Tears are flowing to the River) auch geschehen sei, aber auf der Bühne nicht spürbar war. Ich habe im Netz eine Aufnahme gesehen, wo ich das Publikum informiere, das die Polizei eingetroffen ist und verlangt habe, das Konzert zu beenden, worauf die Menge entsprechend entrüstet reagierte.

 

Die gesamte Zeit in Vietnam war etwas sehr Besonderes. Nicht nur weil ich mit Vietnam etwas ganz Persönliches verbinde. Ich habe während meiner Touren, insbesondere Latein Amerika, viel Gastfreunschaft erlebt, aber noch nie eine derartige wie bei diesem Aufenthalt. Der Veranstalter, der mit einem ganzen Trupp an Helfern ankam, hat sich regelrecht den A…. aufgerissen, um uns eine angenehme Zeit zu gewährleisten. Es bedurfte nicht einmal ein direktes Ansprechen eines Bedürfnisses, es wurde promt erfüllt. Ein tonaler Ausdruck zum Wohlgeschmack vietnamesischen Kaffees führte dazu, dass wir binnen weniger Minuten mit Kaffeepackungen überhäuft wurden, die die Helfer sofort irgendwo gekauft hatten. Einer meiner Gitarristen erwähnte nur, ob es irgendwo Whiskey gäbe und 30min später überreichte uns einer einen Jonny Walker Black Label. Wenn sie sahen, dass Charoons Zigaretten zur Neige gingen (also nur noch eine Schachtel da war…), eilten sie sofort los und kauften neue. Uns war nach einer Weile diese immense Zuwendung, die fast schon an Aufopferung heranreichte, regelrecht unangenehm, da sie alles aus ihrer Tasche für uns bezahlten. Von morgens 9.00 Uhr (wir schliefen immer bis 12) bis weit nach Mitternacht waren sie immer in unserer Nähe oder unten in der Hotel Lobby, nur für den Fall, dass wir einen Wunsch hatten oder wir irgendwo hingefahren werden wollten.  Darin liegt möglicherweise der Unterschied zwischen einem regulären Konzert, das von einem professionellen Veranstalter organisiert wird, und von einem, das durch immense (auch finanzielle) Aufwendungen und Bemühungen der Fans zustande kommt, so wie es in diesem Fall war."

 

Sturmglanz: Erzähl uns mehr von dem eigentlichen Konzertabend? Wie und wo wurde dieser veranstaltet? Wie war die Location und welche Stimmung hatte das Publikum während des Nargaroth Auftritts?

 

Ash: "Der Abend verlief  - mit Ausnahme der bereits oben erwähnten (möglicherweise staatlichen) Einflussnahmen - regelgerecht. Soundprobleme und kleinere Probleme gibt es immer. Nachdem die erste Venue nicht mehr zur Verfügung stand und der Veranstalter in kurzer Zeit (2 Tage) eine neue suchen musste, spielten wir in einer Mehrzwecksporthalle mit Sitzrängen. Auf der NARGAROTH Homepage (www.nargaroth.de) habe ich ein Photo davon eingestellt. Der Veranstalter musste eine komplette Bühne besorgen, Lichtanlage und Soundanlage. Hinter der Halle waren Tennis Courts, die auch während des Konzerts belegt waren, was ein bizarrer Anblick war. Wir spielten mit zwei vietnamesischen (CHONG und ROT), einer thailändischen (DEI TETRA) und der Band DRACONIS INFERNUM aus Singapur, die auch schon in Deutschland aufgetreten sind, zusammen. Ich persönlich kann jede Band empfehlen. Die Stimmung während des Auftritts und der Songs war meines Erachtens wirklich gut, mit einem bezeichnenden Unterschied. Nach dem Schreien, Gröhlen und Applaudieren am Ende eines jeden Songs, herrschte absolute Stille. Und ich meine nicht das bekannte Menschenmengen-Gemurmel. Ich meine komplette Stille. Überrascht war ich von der nicht geringen Anzahl an Kaukasiern, die keine verirrten Touristen waren, sondern jeden NARGAROTH Song mitsingen  konnten. Darüber hinaus erinnert mich das Publikum (oder auch die vietnamesische Szene) an frühe Metal-Tage in Europa. Hungrig, wild, voller Euphorie, unverbraucht, vielleicht ein wenig naiv und maximal begeisterungsfähig. Ein dankbares Publikum! Dazu aber später bei einer anderen Frage von dir."

 

 

 

 

 

Sturmglanz: Welchen Bekanntheitsgrad hat Nargaroth in Vietnam?

 

Ash: "NARGAROTH ist in Vietnam, wie generell weltweit, sehr bekannt. Wie das jedoch im Vergleich zu anderen internationalen Bands aussieht, kann ich nicht sagen."

 

Sturmglanz: Hattest du Kontakt mit Fans/Publikum und wie empfindest du dort die Szene? Welche Unterschiede gibt es zum europäischen Black Metal?

 

Ash: "Nach dem Konzert gab es leider kaum Kontakt, da wir aufgrund der Befürchtungen des Veranstalters, dass die Polizei etwas unternehmenen werde, schnell die Location verlassen mußten. Da aber aber der Veranstalter sowie alle seine Helfer allesamt Fans waren, hatten wir täglich engen Kontakt. Wie ich bereits oben anklingen ließ, ist die dortige Szene aufgrund staatlicher Politik, was Black Metal angeht, massiv unterversorgt und demnach sehr interessiert, hungrig, kaum arrogant, enthusiastisch, aufopferungsbereit - aber auch unsagbar traurig. Ein für mich wesentliches Merkmal der vietnamesischen Szene, was auch das Dominieren sogenannter DSBM und DSDM (depressiver Death Metal wie z.B. Uaral aus Chile, absolut empfehlenswert!) Bands in den Hörvorlieben erklärt. In langen Gesprächen, auch als ich in die nördlichen Berge fuhr, um eine Weile für mich zu sein, wurde eine unsäglich tiefe Traurigkeit hinter dem steten asiatischen Lächeln deutlich und dadurch eine fast lebensnotwendige Bindung an die Musik, die mich zwar sehr beeindruckte, aber zum Teil auch… ich würde sagen ‚erschütterte‘. Die momentane Generation im Alter zwischen 15 und 25 wirkt sehr perspektivlos und resigniert. Über die Gründe möchte ich hier nicht spekulieren, aber es mag die Verbindung zu dieser eher trauernden Facette des Black und Death Metals erklären - unabhängig davon, dass sie mir nicht so zugänglich ist."

 

Sturmglanz: Bei Facebook gibst du mit ein paar Bildern kleine Einblicke in den Aufenthalt. Wart ihr nach dem Gig noch länger in Vietnam und was habt ihr außerdem dort erlebt? Was hat dich dort besonders beeindruckt und fasziniert? Hast du auch etwas von der Kultur und Lebensart mitbekommen? Du warst dort im Dschungel?

 

Ash: "Wir waren vor dem Konzert eine Woche in Vietnam. Nach der Ankunft gab es das obligatorische Sightseeing als Sozius auf einem Moped durch das Verkehrschaos Hanoi’s und da ich bereits 2006 dort gewesen bin, konnte ich mit den Jungs geziehlt Orte aufsuchen. Beeindruckend war die Fahnenzeremonie am Ho Chi Mhin Mausoleum, als die Staatsflagge eingeholt wurde. Alle Anwesenden, egal welchen Alters, nahmen über die gesamte Zeit von einer halben Stunde Haltung an. Einer unserer vietnamesischen Begleiter aus dem Süden des Landes sagte, er habe dies zum ersten mal gesehen, sei jedoch stolz gewesen und habe den Geist seines Landes gespürt. Ich, so wie auch die anderen in der Band, fanden dies sehr eindrücklich und ich wünschte mir manchmal, uns Deutsche würde es zeitweilen auch so anrühren, wenn wir an uns denken. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes verließ ich die Jungs - die an den folgenden Tagen weiter Museen und Kriegsüberbleibsel besichtigten, bzw. mein Drummer mit der Band CHONG übte, da ihr Schlagzeuger ausfiel und ich mit ihm besprach der Band auszuhelfen - und fuhr mit zwei unserer vietnamesischen Begleiter nach Norden, da ich zurück in die waldbewachsenen Berge wollte, in denen ich schon 2006 für kurze Zeit war. Ich hatte dies von Anfang an geplant  - mit der Option, nicht aus Vietnam zurückkehren zu wollen. Die Idee eines Konzerts in Vietnam trat zu einem Zeitpunkt in mein Leben, an dem ich grundlegende (Lebens) Entscheidungen treffen musste, mich dazu jedoch nicht durchringen konnte. Meine brasilianische Frau traf für sich die Entscheidung, in Deutschland keiner Zukunft entgegen zu sehen, und ich sah mich mit dem Scheitern eines Lebensentwurfs konfrontiert. Als ich vor über sechs Jahren Vietnam verließ, kam mir der Gedanke, wenn ich nach Vietnam zurückkehren würde, ich dort bleiben werde, um im Dschungel zu vergehen. Somit hatte ich bei der jetzigen Rückkehr mit zwei schwerwiegenden Themen zu hadern, die ich glaubte, nur in der Abgeschiedenheit einem, wenn auch zeitweilen, Entwurf entgegenführen zu können. Ohne an der Stelle ins Detail zu gehen und möglicherweise dem JUT TE ASKEN Magazien Interview vorweg zugreifen, genoss ich erneut die Zeit allein im Dschungel, in dem ich wie 2006 Frösche als Nahrung fing, Flüsse durchquerte, nachts ob der Kälte fluchte, Selbstgespräche führte und mich in diesem Lebensgeflecht des Dschungels (wie jedesmal, auch im Brasilianischen,) sehr lebendig fühlte."

 

Sturmglanz: Apropos Facebook - Seit Dezember bist du nun mit Nargaroth auch auf Facebook vertreten? Eigentlich hast du dich doch immer dagegen ausgesprochen. Warum nun diese Umentscheidung?

 

Ash: "Ay, für mich immer noch ein schweres Thema und noch immer bin ich mir nicht sicher, ob es die richtige (wenn auch notwendig erscheinende) Entscheidung war, insbesondere wenn ich sehe, was für Kreaturen - euphemistisch ausgedrückt - die NARGAROTH-Seite „liken“. Ich verwende die von mir in Fuckbook veröffentlichte Stellungnahme:

 

'Nach wiederholten Anfragen hinsichtlich NARGAROTHs Präsenz auf Facebook vor dem Hintergrund früherer Abgrenzungen zu sozialen Netzwerken im Internet gebe ich folgende Erklärung ab:

 

Aufgrund der in den letzten Jahren stark veränderten Organisationslandschaft im Bereich Konzert- und Festival-Booking sowie vor dem Hintergrund bereits 2012 wahrnehmbarer Anfragerückläufe, die bei Nachfragen oftmals mit fehlenden Kontaktmöglichkeiten begründet wurden, habe ich mich im Januar 2013 -  entgegen meiner inneren Haltung zu derartigen Kommunikationswegen - dazu entschlossen, im weitesten Sinne „mit der Zeit“ zu gehen und die bereits bestehende und durch einen kanadischen Fan geleitete NARGAROTH-Fan-Page auf Facebook nach beidseitiger Absprache als Administrator zu übernehmen. Der in Deutschland und Europa immer stärker monopolisierte und zentralisierte Festival- und Konzertbereich wird verstärkt von wirtschaftlich geprägten, Black Metal-Ideologie fremden Organisationen dominiert, welche - zumindest entsteht im Underground-Konzertbereich seit langem dieser Eindruck - unabhängigen Veranstaltern vermehrt Steine in den Weg legen. Homepages werden immer weniger frequentiert und Email- oder gar Postbriefverkehr scheinen zu einem Relikt geworden zu sein. Den Zeichen der Zeit folgend entschied ich mich den mehrheitlich genutzten Propagandaweg zu nutzen und damit all jenen ein Dorn im Auge zu bleiben, die versuchen durch geheuchelten Patriotismus die heutige Black Metal-Kultur zu verwässern.' Den einen oder anderen mag es dennoch stören oder manche darin Wortuntreue finden wollen, aber ich habe mir diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Nach all den Jahren bin ich ‚jetzt erst‘ in dieses Medium eingestiegen."

 

Sturmglanz: Welche Erinnerung und welches Fazit ziehst du aus diesem Konzert sowie dem Aufenthalt in Vietnam?

 

Ash: "Zum einen hat es mir erneut gezeigt (und bestätigt), wie wichtig Menschen NARGAROTH in ihrem Leben ist und wie emotional sie damit umgehen, was NARGAROTH an diesem Punkt zu etwas Besonderem macht. An der Stelle spreche ich dies anderen Bands nicht ab. Zum anderen bin ich etwas gestärkter aus Vietnam zurückgekommen und kann mich den neuen Live-Aufgaben mit NARGAROTH widmen, die aufgrund der Veranstaltungen auf die NARGAROTH gebucht wurde (bzw. mit „Bands“), eine Herausforderung für mich darstellen, ich jedoch die Gelegenheit nicht verstreichen lassen will dort (Kontra-) Flagge zu zeigen, wo Black Metal verklärt verkauft und geschunden wird! Zum anderen erfüllte es mich mich persönlich mit einer gewissen Genugtuung, dass der erste internationale Black Metal Act in Vietnam mit mir von statten ging, während die scheiß Avantgarde Lappen nur Europa vergiften.

 

Eindrücklich in Erinnerung bleiben mir zwei Momente der Reise, die ich jeweils mit intensiven Gesprächen verbinde. Es ging in beiden im weitesten Sinne um Identität und das schwere Erbe der Landesgeschichte. Mit dem Sänger der südvietnamesischen Band ROT, dessen Familie durch den Vietnam Krieg zerissen wurde. Es war für mich einer der realsten Momente, als er sehr emotional und authentisch sagte, dass es an diesem „Krieg nichts ehrhaftes, ruhmreiches“ gäbe und ‚nichts‘ anderes passiert sei, als dass „Vietnamesen gegen Vietnamesen kämpften für die Interessen anderer Länder, die sich um das eigentliche Land und Bevölkerung nicht scherten“. Vor dem Hintergrund dieses Gesprächs sah ich das Tragen einer GI Uniform während meiner Zeit in Vietnam 2006 noch einmal in einem anderen Licht.

 

Mit einem meiner Begleiter sprach ich während meines Rückzuges in den Norden über die vietnamesische Identität und er vermittelte mir, dass der „Tag der Befreiung“ ein mehr als zwiespältiges Ereignis sei, da dieses Attribut nur für eine Hälfte des Landes gelte. Für die andere sei es der Tag der Niederlage, der Tag an dem der Süden sein Land verlor. Bis heute gäbe es keine ausreichnde Verständigung, Diskussion, Aufklärung, Versöhnung und Aufarbeitung dieser Geschichte, die bis in die kleinsten Zellen, die Familien, reicht, die wie einst das Land zerissen und zweigeteilt waren. Als Ostdeutscher und „Zeitzeuge“ der Wiedervereinigung, konnte ich manches gut nachvollziehen und diese Gespräche veränderten meine Perspektive des Blickwinkels auf Vietnam, aber auch auf mich."

 

Sturmglanz: Sprechen wir von unserem zweiten Thema. Im Januar erschien über Obscure Abhorrence Productions die 7“ EP von Drowning the Light „Dead Soul Requiem“. Fälschlicherweise steht in einigen Black Metal Foren, dass es sich um eine Split Ep handelt - dem ist aber nicht so. Es ist eine Veröffentlichung von Drowning the Light  mit zwei Titeln, auf der du den Gesang beisteuerst. Wie kam es dazu und wer hatte die Idee und kanntest du Drowning the Light bereits im Vorfeld?

 

Ash: "Ich habe mit Azgorh von DROWNING THE LIGHT seit der Aktion zur Semper Fidelis Box ca. 2007 Kontakt. Er nahm daran Teil und bekam eine der 99 Boxen. Ich bekomme ziemlich viele Kooperationsanfragen - und dieser habe ich zugesagt."

 

Sturmglanz: Drowning the Light kommen bekanntermaßen aus Australien. Wie habt ihr die Aufnahmen organisiert?

 

Ash: "Nach der gemeinsamen Komposition verschiedener Stücke, die dann in Australien aufgenommen wurden, entschied ich mich für die auf der EP vertretenen Instrumentale, schrieb die Lyrics, machte den Gesang und mischte ihn dann dazu. Leider gingen bei Azgorh die originalen Spuren der Lieder verloren, somit konnte ich an den Instrumentalen nichts mehr mastern, denke jedoch, dass es genauso paßt, wie es jetzt ist."

 

 

 

 

 

Sturmglanz: Was mir beim Anhören von „Dead Soul Requiem“ sofort aufgefallen ist - du wirkst gesanglich nicht nur rauer und extremer sondern auch sehr melancholisch und emotional. Ist dies jetzt „nur“ für diese Scheibe oder werden wir die Qualität auch auf der nächsten Nargaroth Scheibe zu hören bekommen?

 

Ash: "Ich hatte von Anfang an vor, nicht typisch Nargaroth zu singen. Ich schrieb die Lyrics und nahm den Gesang in jener Zeit des Jahres 2012 auf, in der sich die massiven persönlichen Veränderungen ergaben, auf die ich bereits einige Antworten weiter oben zu den Gründen meiner „Auszeit“ während der Vietnamkonzertreise Januar 2013 einging. Es ist anzunehmen, dass die Vocals deswegen ‚sehr‘ authentisch klingen, weil ich in diesem Moment nicht anders konnte, als eben geschehen…"

 

Generell scheint sich mein Gesangsstil zu verändern ohne dass es willentlich geschehen wäre. Wenn ich ihn mit der „Herbstleyd“ LP vergleiche, scheint er älter geworden zu sein. Auch auf dem Touralbum ist mir das aufgefallen. Im Besonderen bei der Dreifaltigkeit „The day Burzum killed Mayhem - War - Freezing Moon“. Was ich nicht ganz verstanden zu haben glaube, ist deine Einschätzung, dass mein Gesang auf der EP „nicht so glatt“ sei wie auf NARGAROTH Releases (siehe dein EP Review). Ich habe meinen nie als solchen wahrgenommen. Vielleicht kannst du mir näher erläutern, was du meinst und deine Antwort hier anfügen und auch den gewillten Leser daran teilhaben lassen?

 

Sturmglanz: Der Vergleich zwischen dem "Herbstleyd"  und dem „Dead Soul Requiem“ - Gesang ist genau welcher, den ich ebenfalls herangezogen habe. Mein persönliches Empfinden ist, dass der damalige Gesang nicht  nur "heller" sondern auch monotoner aber auch feinfühliger klingt. Jetzt hingegen wirkt er  tiefer und ausdrucksstark und wie beschrieben rauer und archaisch. Wenn man genau hinhört haben diese Tendenzen auf dem "Spectral Visions Of Mental Warfare" Album ihren Höhenpunkt.  Deine Beschreibung "authentisch"  trifft also schon genau den Kern meines Eindruckes. Das was die Entwicklung seit "Herbstleyd" nicht verändert hat, ist Intensivität und die wunderbare Atmosphäre, diese zieht sich bis heute wie eine Symbiose durch alle NARGAROTH Alben. Doch kommen wir zurück  zur „Dead Soul Requiem“ EP. Wirst du einen der beiden Titel auch mal Live spielen oder ist das Projekt jetzt „zu Ende“?

 

Ash: "Ob die beiden Stücke auch Live zu hören sind, gibt es eine klare Meinung: "Darüber habe ich nicht nachgedacht. Es wären dann eher Coverversionen, aber ich denke, das mache ich Live schon (über) ausreichend genug. Eine Fortführung des Projekts ist nicht angedacht, da DROWNING THE LIGHT eine eigenständige Band und kein gemeinsames Nebenprojekt wie z.B. TORRENT (Akhenaten & Kanwulf (Ash) ) ist."

 

 

 

 

 

Sturmglanz: „Black Metal manda Hijos de Puta“ – ist ein Touralbum, welches ein Tribut an die lateinamerikanische Szene ist und die Titel wurden 2008 bis 2011 aufgenommen. Erzähl uns die Hintergründe über die Entstehung!

 

Ash:  "Eines gleich voran. Bei der Veröffentlichung „Black Metal manda Hijos de Puta“ handelt es sich nicht um ein Live-, sondern um ein bearbeitetes Tour-Album mit ausgewählten Liedern und Coverversionen. Die Konzertmitschnitte auf der beiliegenden DVD sind keine professionellen, sondern Amateuraufnahmen, die als Bonusbestandteil der „Black Metal manda Hoijos de Puta“-Veröffentlichung zu verstehen sind und über die Musik-CD hinaus einen Eindruck der Konzerte NARGAROTHs in Latein-Amerika vermitteln sollen." Mit dieser Veröffentlichung gedachte ich meinen Dank gegenüber der Lateinamerikanischen Szene auszudrücken, da es ohne sie NARGAROTH wohl nicht mehr gegeben hätte. Wer sich wirklich für die Gründe des Tour-Albums interessiert, kann auf der englischen Homepage Version und der dem Album in der PDF Datei genaueres nachlesen:

http://www.nargaroth.de/releases/inhalt_eng/rel_pdf_eng/14_Black_Metal_manda_Hijos_de_Puta_engl.pdf."

 

Sturmglanz: Was unterscheidet die deutsche (europäische Szene) von der lateinamerikanischen Szene?

 

Ash: "Sie unterscheidet sich in dem Maße, wie sie sich auch ähnelt. Nach all den Jahren internationalen Tourens, sieht man, dass es in jeder Szene Leute gibt, die wenig wert sind und dass es wirklich loyale Metaller gibt. Wie sooft sind die Unterschiede innerhalb der Szenen größer als zwischen den Szenen. Außerhalb Deutschlands sind die Szenen aber offenbar weniger an „Skandalen“ und Gerüchten interessiert, bzw. bewerten diese weitaus weniger wichtig und konzentrieren sich eher auf die Leidenschaft und die Hingabe zur Musik, wie man in den Live Vidoes auf der DVD des Tour Albums unschwer erkennen kann. Nicht umsonst hört man von fast allen Bands, egal welcher Metalbereich, dass Lateinamerika ein besonderes Fieber in sich hat. Deutschland hat sehr viele aufrichtige Black Metaller - die schnell ins rechte Spektrum gedrängt werden -, aber gleichzeitig eine Unmenge an verklärten Spaßgesellschaftern, die erheblich zum Konsumcharakter der heutigen medialen BM-Kultur beitragen, so dass diese für sehr viele nur noch ein leichtverdauliches Entertainment darstellt. Das Schlimmste daran ist jedoch, dass viele heutige Musiker selbst diese Meinung vertreten und somit die verwässerte Wahrnehmung des BM fördern."

 

Fotos by Sunvemetal (www.sunvemetal.de)

 

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