Der Pestbote - Druckausgabe

Sturmglanz Produktionen

Sturmglanz Produktionen ist ein Teil der Sturmglanz Black Metal Manufaktur und hat sich darauf spezialisiert Black Metal zu veröffentlichen. Neben Tapes, Vinyl oder CD in regulären sowie limitierten Auflagen werden auch Shirts und Zipper realisiert. Alle Veröffentlichung findet ihr hier in unserem Sturmglanz Black Metal Store.  [ zu Sturmglanz Produktionen ]

Der Pestbote - Druckausgabe

Der Pestbote - Druckausgabe

Schon lange laufen die Vorstellungen und Planungen für ein gedrucktes Black Metal Magazin als Ableger des Sturmglanz Webzin`s. Die Veröffentlichung der ersten Ausgabe planen wir für die kalten Wintermonate Anfang 2017. Neben einigen Rückblicken aus dem STURMGLANZ WEBZINE gibt es exklusive Ge- spräche und Ansichten von Musikern... [ hier weiter ]

 

Sturmglanz Veröffentlichung

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19. Juli 2014 ETERNAL HATE FEST in Nýrsko (Cz)

 

Mit ganzen acht Kilometern von der Grenze entfernt, wirbt der Veranstalter des diesjährigen „Eternal Hate Fest`s“ im tschechischen Nýrsko. Dies lockte nicht nur einheimische Fans, sondern auch viele Deutsche reisten zum immerhin schon 12. Teil des Open Air an. Schließlich hatten sich hochkarätige Acts angekündigt. So seien die Franzosen AD HOMINEM und die Italiener KAISERREICH zu nennen. Was ich in Vorbereitung auf das Festival völlig übersehen hatte, war die Tatsache, dass der kleine Ort Nýrsko (zu Deutsch „Neuern“) gar keine richtige Zufahrtstraße hatte. Auf den Landkarten waren die Straßen gerade mal „grau“ markiert. Dies entspricht hierzulande gerade mal einem besseren Feldweg. Bereits am Grenzübertritt in der Nähe von „Eschlkam“ (bei Furth im Wald) machte sich dies schon bemerkbar. Alte verlassene Häuser, Traktorteile und Anhänger rosteten vor sich hin und Schlaglöcher in den „Straßen“ so weit das Auge reicht. Aber egal…  Nýrsko war immer wieder auf kleinen Blechschilder ausgewiesen und war damit gut ausgeschildert. Im Ort selber hingen an jeder Straßenecke ein „Eternal Hate Festival“ Wegweiser, so dass ich das Ziel schnell erreichte. Bullig warm war es auch hier. Das Festivalgelände ist ein intaktes Sportarsenal mit Fußballplatz, Spielplatz, großzügig überdachten Biergarten und festinstallierten Toiletten. Bei meiner Ankunft gegen 13.00 Uhr waren gerade mal 2 Zelte aufgebaut und eine Handvoll Besucher tummelten sich vor dem Getränkestand.

 

 

 

 

 

Ganze 14.00 Euro Eintritt sollte der heutige Tag kosten. Und die weiteren Preise waren absolut fett. Gerade mal 125 Kc (5.00 Euro) kosteten 2 Schweinesteaks mit Peperoni und 3 Scheiben Brot, oder ein 0,4 l Bier 25 Kc (1.00 Euro) bzw. 0,3 l Cola, Fanta Bier 20 Kc (ca. 0.85 Euro). Der Umtausch von Kronen und Euro gestaltete sich ebenfalls sehr einfach. So kassierten die Damen am Eingang nicht nur den Eintritt, sondert wirkten auch als Wechselstube. Perfekt!

 

 

 

 

 

 

 

WYRM (Cz)

Pünktlich um 14.00 Uhr eröffneten WYRM das Festival. Durch die Hitze an diesem Tag verirrte sich bis zu diesem Zeitpunkt kaum jemand vor die riesige Bühne. Trotzdem war die Band aus Böhmen eine gute Wahl. Black - thrashig - flotte Nummern sind einfach spitzenmäßig und die anwesenden wippten zumindest den Fuß. Mehr war durch die erdrückende Wärme wohl auch wirklich nicht drin.  Man sieht der Band an, dass sie hungrig ist und 'ne Menge Spaß inne Backen hat. Die Band existiert seit 1997 und hat bereits 3 volle Alben veröffentlicht, mir aber war WYRM völlig unbekannt.

 

Als nächstes waren DRACO HYPNALIS an der Reihe. Eine wirklich krasse Art Death/Black Metal zu zelebrieren. Ein reales Schlagzeug gab es nicht und auch die Keyboard/Synthesizer kamen geschlossen vom Band. Was dran ungewöhnlich war? Die Machart der Musik. Das Trio verschmilzt Symphonie, Trance, Techno, Black und Death Metal zu einer Masse. Klang an manchen Stellen recht interessant, überwiegend aber für mich nicht hörbar. Ist halt Geschmackssache.  

 

 

 

 

 

 

 

1000 BOMBS (Cz)

Als nächstes hagelte es Bomben. Und zwar mit der Band 1000 BOMBS aus Pilsen. Feinster Metal à la Slayer. Die Jungs machten wirklich Laune. 1000 BOMBS sind ein Siteprojekt von TROLLECH Mitgliedern. Unter dem Motto „Peace is dead“ spielten die Heeren Thrash Metal, aber eher die groovigere Variante, wobei natürlich auch musikalische Wutausbrüche nicht fehlen dürfen. Ziemlich eingängig und bei gutem Sound werden einem die Kompositionen ins Ohr gedrückt. Das Publikum ist leider viel zu verhalten, da es immer noch nicht mit den Temperaturen zu kämpfen hatte. Und der Weg zum kühlem Bier kürzer war, als zur Bühne. Macht nix… 1000 BOMBS sind notiert!

 

 

 

 

 

 

 

 

KRAAKE (Cz)

Jetzt war die Zeit für ASKEREGEN gekommen. Krankheitsbedingt konnten diese aber leider nicht aufspielen. Daher sprang die befreundete Band KRAAKE ein, welche ein mehr als würdiger Ersatz darstellt. Vor ein paar Wochen spielten KRAAKE zusammen mit SEKHMET in Erfurt. Nun also der direkte Vergleich in ihrer Heimat. Nach einem kurzen Intro geht’s los. Tschechischer Black Metal vom feinsten. Sängerin Valfarin stand, genau wie in Erfurt, die ganze Zeit auf einer Stelle und kreischte kräftig ins Mikro, während sich die anderen Musiker doch mal hin und wieder in Szene setzten. Showtechnisch können die Dame und die Heeren nicht punkten, allerdings musikalischen ist die Musik sehr faszinierend und authentisch. Es ist allerdings definitiv zu hell für diese Art von Musik, dennoch haben KRAAKE ihre Sache nicht schlecht gemacht. Also, wenn ihr mal was vorn Latz braucht, dann bestellt euch das aktuelle DEMO.

 

 

 

 

 

 

 

PANYCHIDA (Cz)

Jetzt endlich sind auch ein paar mehr Besucher aufgewacht und setzten ihren Arsch in Richtung Bühne in Bewegung. Es machten sich nämlich PANYCHIDA auf die Bühne zurecht. Auch diese Band ist mir völlig unbekannt, allerdings vor Ort scheinen die Jungs höchst populär sein. Kräftiger und Pagan Metal mit hohem Unterhaltungswert. Die spärlichen Folkklänge, wie Flöten und Akkordeon kommen vom Band, der Rest ist Live und in Farbe. Musikalisch würde ich die Band in Richtig KRODA drängen wollen. Insgesamt liefert die Jungs eine flüssige Vorstellung ohne viel Zeit zu verschwenden. Die Einbindung des Publikums bleibt dabei eine Stärke von PANYCHIDA. Ein gutes Konzert erkennt man oft daran, dass es einem viel zu kurz vorkommt und das ist hier der Fall.

 

 

 

 

 

 

 

KAISERREICH (IT)

Immer noch reisten Black Metal Fans auf das Festivalgelände an - rechtzeitig genug um KAISEREICH und weitere Highlights auf diesem Open Air zu sehen. In Deutschland hat sich KAISEREICH in Sachen guter Black Metal noch nicht ganz herumgesprochen Mit bitter bösen Sound und finsterem Gekreische schmettern die Italiener den mittlerweile zahlreich erschienenen Fans ihren düsteren Black Metal um die Ohren. Von Menschenmassen vor der Bühne zu sprechen, wäre zwar reichlich übertrieben, doch die, die da waren, feierten die Band standesgemäß ab. Technisch sehr versiertes Geballer dröhnte aus den rostigen Boxen. Gelungener Auftritt mit einer guten Mischung aus Geschwindigkeit und filigranem Spiel. Das gegenwärtige Album „Ravencrowned“ wurde bereits 2011 veröffentlicht, aber qualitativ aktuell und 100% empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

 

TROLLECH (Cz)

TROLLECH habe ich nur aus dem Augenwickel und für ein paar Photos wahrgenommen. Zum einem habe ich die Kapelle bereits duzend male gesehen und zum anderen knurrte der Magen deutlich. Ich machte mich an den Grillstand, welcher das angebotene Sortiment ausschließlich in tschechischer Sprache auszeichnete. Ich habe irgendwas für 129 Kc bestellt… Bis jetzt kann ich nicht deuten, was dies gewesen sein mag. Die Fakten: Es war angebraten, es war gewürzt mit Paprika, es hatte eine weiße Farbe und eine schwammartigen Struktur, dazu gab es Senf und wunderbar frisches Brot. Egal, es hat gemundet und ich war für den Rest des Abends versorgt. Also, TROLLECH spielten ihr Set ohne nennenswerte Aussetzer herunter und ich freute mich diebisch auf die nächste Band.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SEKHMET (Cz)

Jetzt waren SEKHMET an der Reihe. Nicht nur vor einigen Wochen in Erfurt hat die Band überzeugt, nein auch das aktuelle Album „Words of the Master (Proverbs of Hell)“ schlingert von einer Lobeshymne zur anderen. Heute nun also Heimspiel. Der Umbau gestaltete sich Länger als gedacht. Dass Gesetze und Anweisungen in Sachen Sicherheit bei unseren Nachbarn nicht gar so streng gehandhabt werden, ist wohl kein Geheimnis… Was möge uns erwarten? Doch dann war es soweit… Nach dem kurzen Intro ging es los. Der Sound war am Anfang unter aller Sau, später hingegen ging es. SEKHMET sind nicht nur musikalisch vom feinsten, sondern auch optisch geben sie was her. Dies wurde deutlich, dass es während der Show zweimal ordentlich knallte und eine Fontäne auf der Bühne zündete, Kreuze brande und sich eine riesige Feuerwand aufbaute. In Anlehnung an ihr aktuelles Video „All Shall Bear Witness II.“ wurde dies wirkungsvoll zum Schluss nachgeahmt. Sehr geil. Im Laufe des Auftrittes werden die Zuschauer mit einer guten Mischung aus neuen und altbekannten Songs verköstigt, und das in einer Art und Weiße, als würde der Leibhaftige selber auf der Bühne stehen. Man merkt einfach, dass die Jungs richtig Bock darauf haben ihr Können zum Besten zu geben und so sind sie sich auch nicht für eine Zugaben zu schade. SEKHMET haben an diesem Abend erneut bewiesen, wie hoch ihre Schlagkraft ist.

 

 

 

 

 

Endlich gelangen wir zu meinem persönlichen Highlight dieses Festivals - zu keinem geringeren als AD HOMINEM. Nachdem sich die Franzosen, in den letzten Jahren nicht in meiner regionaler Reichweite spielten, bin ich wohl auch nicht der einzige der diesem Event entgegenfiebert hat, denn das Publikum ist schon während der Umbauphase mehr als heiß auf die bevorstehende Aufführung. Optisch habe ich mir den Kaiser ganz anders vorgestellt. Riesig, wirkte er auf mich, mit steht’s finsterer Mine und tiefer Stimme organisierte er den Soundcheck. Im Anschluss noch fix die Kriegsbemalung angelegt und dann sollte es endlich losgehen. AD HOMINEM ist es ab der ersten Minute gelungen, den überaus aggressiven Eindruck des letzten Albums ''Dictator'' nun endlich auch Live rüberzubringen. Der unbarmherzig fortschreitender und militanter Black Metal, welcher gnadenlos eine Attacke nach der nächsten auf die Lauscher startete und dennoch technisch anspruchsvoll daherkommt, bohrt sich quälend bis ins Mark. Die imposante Erscheinung von Kaiser Wodhanaz, der weniger zu singen, als doch eher das Publikum zu versklaven scheint, kreierte eine grandiose Atmosphäre, die wohl nur schwer zu toppen ist. Eine abwechslungsreiche Setlist an alten und neuen Genickbruchbeschleuniger führte dazu, dass die Zuschauer noch mehr „altes Material“ wollten. Zwischen den Titel gab es auch einmal einen beherzten Tritt des Kaisers, als ein Fan die Bühne enterte. Dies wurde dann lautstark kommentiert mit: „This is my fucking Stage“. Die Stimmung im Publikum wurde von Titel zu Titel aggressiver, hielt sich aber dennoch größtenteils in Grenzen. Nach einer Zugabe und weit über einer Stunde Spielzeit war dann endgültig Schluss. Was für ein Wahnsinnsshow… mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AD HOMINEM (Fra)

 

 

 

 

Als letzte Band des Tages und somit des ganzen Festivals waren dann FUNERAL FOG aus Italien. Öhm, Band? Wohl kaum! FUNERAL FOG ist ein Ein-Mann-Projekt und dies war es auch an diesem Abend. Die Musik kam ausschließlich vom Band, nur der Gesang wurde von Sänger Nittalopia Live dargeboten. Aber wie! Richtig düsterer misanthropischer Black Metal mit extrem fiesen und majestätischen Black Metal Geschrei. Die Musik, theatralisch und infernalisch. Wie gebannt standen die Zuschauer vor der Bühne und schauten sich das Geschehen an, denn FUNERAL FOG schafft es im Handumdrehen Melodien und Härte in ihren Kompositionen mit viel Nebel unterzubringen. Klasse Show! Mal schauen, ob die beiden Demos noch irgendwo käuflich zu erwerben sind.

 

 

 

 

 

 

 

FUNERAL FOG (It)

 

 

 

 

Zum Abschluss: Insgesamt kann man nur sagen, dass das ETERNAL HATE FESTIVAL wirklich eines der gemütlichsten und angenehmsten Festivals ist. Die tschechische Szene geht halt mit Bands wie z.B. mit AD HOMINEM anderst um als hier in Deutschland und dies macht sie ein Stück weit Offener und Ehrlicher. So hoffen wir, dass dieses kleine, anschauliche Open Air weiterhin besteht und uns Jahr für Jahr auch in der Zukunft mit seiner Mischung aus angenehmen Flair und guter, beinharter Musik in seinen Bann zieht. Einzig, ein paar mehr Merchstände würde eine zusätzliche Bereicherung darstellen. Aber das ist die berühmte „Lappalie“…  

 

Bis zum nächsten Jahr!

 

Photos & Bericht © Varar Wallheim (Juli 2014)