Black Metal Termine

An dieser Stelle findet ihr aktuelle Termine zu einzelnen Black Metal Gigs. Alle Angaben haben keinen Anspruch auf  Richtig- und Vollständigkeit. Schickt eure Konzerttermine an folgende E-Mail Adresse: email@sturmglanz.de. Am besten gleich mit einem Flyer zur optischen Präsentation. Tip: Schaut auch in unser Forum für aktuelle Infos. [ zum Forum ]

Review & Bewertungen

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Sturmglanz Veröffentlichung

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Bandinterview: Carthaun

 

„Brachland" heißt das neue Vollalbum der deutschen Black Metal Untergrund Truppe Carthaun. Da mich das Album förmlich umgehauen hat, war mir klar, dass ich mehr über die Black Metal Formation erfahren muss. Bereits im Jahr 2000 gründete sich Carthaun und seither gab es allerhand Veränderungen – wie es dazu kam, und andere Neuigkeiten erfahre ich in diesem Zwiegespräch...

 

 

Sturmglanz: Vielen Dank für die Zusagen des Zwiegespräches. Carthaun wurde bereits im Jahr 2000 gegründet… kannst du uns erzählen wie es dazu kam und warum 2005 eine Neuformation erfolgte? Was geschah in diesen 5 Jahren und welchen Werdegang und Veränderungen gab es dann ab 2005?

 

Carthaun: Als wir in den 90igern anfingen neben klassischem HeavyMetal von Maiden, Manowar, Motörhead usw auch zunehmend "Satansmucke" (wie wir es damals nannten) zu hören, ging es uns wie vielen anderen. Wir wollten unbedingt auch so ein Zeug machen, also besorgten wir uns - damals noch Schüler - irgendwelche Instrumente und legten los. Anfangs war das natürlich noch sehr dilettantisch, nach und nach blieben dann auch nur noch 2 von uns übrig, die das ganze schließlich ernsthaft betreiben wollten - Anfang 2000 starteten wir dann mit CARTHAUN. Leider fehlte uns ein fähiger Gitarrist, so entstand zwar der ein oder andere Song, letztendlich dümpelte das ganze Projekt aber erst mal gut 3 Jahre vor sich hin. 2003 zog ich dann nach Dresden und lernte dort U kennen, der schließlich als Gitarrist anheuerte - wir waren also endlich im Stande unser erstes Demo aufzunehmen - da unser Schlagzeuger weiterhin in Rostock wohnte, dauerte das aber nochmal bis 2004.

 

Kurze Zeit später brach besagter Schlagzeuger dann plötzlich den Kontakt ab - zu unserem Glück konnten wir aber relativ schnell H für uns gewinnen. H hatte schon für WOLFSWINTER, CAMULOS, MAGOG und einige andere Bands getrommelt - durch ihn waren wir nun endlich im Stande regelmäßig zu proben und alsbald unser Debut aufzunehmen, was vor allem frühe Stücke (2000-2002) enthielt und auf dem Label PowerRockerRecords erschien.

 

Wir spielte nhier und dort ein paar Konzerte, entwickelten neue Ideen - Ende 2005 musste ich dann aus beruflichen Gründen nach Köln umsiedeln. Die Sache ging dann noch eine Weile gut, 2007 nahmen wir noch die "Blutt und Threnen" in dieser Konstellation auf, aufgrund der Entfernung wurde es aber zunehmend schwieriger. 2008 gab H dann aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen das Schlagzeug spielen auf. Seither entwickelt sich CARTHAUN zu meinem Bedauern zunehmend zu einem Studio-Soloprojekt. U ist zwar weiterhin Gitarrist bei CARTHAUN - da uns aber 600km trennen und uns obendrein ein fester Schlagzeuger fehlt, finden Proben schon seit 2008 so gut wie gar nicht mehr statt.

 

 

Sturmglanz: Vor einigen Wochen erschien euer neues Album „Brachland“ über Ewiges Eis Records! Bist du zufrieden mit dem Album? Würdest du Album nochmals genau gleich aufnehmen?

 

Carthaun: Grundlegend binich zufrieden, vor allem inhaltlich und musikalisch entspricht "Brachland" meinen Vorstellungen. Im Detail betrachtet wirkt mir die ein oder andere Stelle aber etwas zu konstruiert und unausgereift - wie schon erwähnt war und ist es derzeit nicht möglich zu proben. „Brachland“ konnte demnach nur unzureichend ausgearbeitet werden, sich nicht vollends entwickeln. Das Album ist nahezu im Alleingang entstanden, U und D, der uns seit 2009 hin und wieder als Schlagzeuger aushilft, hatten kaum die Möglichkeit die Songs mitzugestalten und haben eher als Session Musiker agiert. Das hatte natürlich den Vorteil, dass ich bei der Umsetzung meiner Ideen keine Kompromisse eingehen musste – lieber wäre mir aber ein „Gemeinschaftsprodukt“ gewesen.

 

Produktionstechnisch wiederum würde ich nichts verändern - wie schon bei "Blutt und Threnen" handelt es sich bei "Brachland" um eine reine Eigenproduktion. Dem Trend auch BlackMetal so druckvoll und knallig wie möglich zu produzieren, wollte ich keinesfalls folgen. Ich setzte mir das Ziel trotz vieler Zwischenspiele völlig ohne synthetische Klänge auszukommen. „Brachland“ wurde also komplett ohne Keyboards, Synthesizer, Drumcomputer/Triggermodul, Sampler oder anderen überflüssigen, künstlichen Scheiß verwirklicht - was sich sehr ausgezahlt hat.

 

Sturmglanz: Gibt es schon ein Feedback von Hörern und Mag-/Webzines?

 

Carthaun: Derzeit nochnichts offizielles, natürlich haben uns Bekannte und Freunde wissen lassen, was sie davon halten - die Meinungen waren durchweg positiv - offizielle Reviews gilt es noch abzuwarten.

 

Sturmglanz: Erzähl uns etwas über die Entstehung von „Brachland“? Es sind wieder Werke von großen Dichtern und Schriftstellern wie Fallersleben, Theodor Körner oder Felix Dahn musikalisch vertont worden! Welchen Einfluss haben diese Personen auf eure Musik und was ist der Ausschlaggebende Punkt einen Text von diesen Personen zu vewenden?

 

Carthaun: Dass wir kaum eigene Texte schreiben, sondern in erster Linie Gedichte vertonen ist ursprünglich aus der Not entstanden. Mir liegt das Texte schreiben nicht sonderlich, ich hatte daher von Anfang an keine Lust mich damit auseinanderzusetzen. Gleichzeitig habe ich aber hohe Ansprüche was Liedtexte angeht - nichts kann ein Stück so verunglimpfen wie ein plumper Text. Oft ist es ja so, dass man sich den Text erst dann zu Gemüte führt, wenn man das entsprechende Lied oder Album als außergewöhnlich gut empfindet. Ein schlechter Text kann einem dann das Ganze nachhaltig vermiesen - wenigstens geht es mir so.

 

Es lag also sehr nahe Texte von Autoren zu verwenden, die sich auf dieses Handwerk verstehen - die Kriterien bei der Auswahl sind recht einfach: Form und Inhalt müssen mir persönlich gefallen. Theodor Körner und Felix Dahn treffen sprachlich absolut meinen Nerv, außerdem haben sie sich häufig mit Themen beschäftigt, die  im Black- und Pagan- Metal allgegenwärtig sind. Daher ist es kein Zufall, dass wir wiederholt Gedichte dieser Autoren verwenden. Ich hätte diese Texte aber auch verwendet, wenn sie jemand völlig unbekanntes verfasst hätte, die Schriftsteller und ihr Leben spielen eigentlich keine Rolle - wichtig ist nur der Text an sich.

 

Sturmglanz: Hat für euch Literatur eine spezielle Bedeutung?

 

Carthaun: Nicht nur für uns - Literatur ist Grundlage nahezu allen menschlichen Schaffens. Ein Leben ohne Literatur ist nicht vorstellbar.

 

Sturmglanz:  Auf der Scheibe ist guter und rauer Black Metal ohne Schnick Schnack zu hören. Außer bei „Nicht betteln nicht bitten“ fällt ein Titel mit (fast) klarem Gesang aus der Reihe. Wie kam es dazu, dass dieser kein reiner Black Metal Titel ist?

 

Carthaun: Vermutlich liegtes am Text, dieser ist ja quasi ein Aufruf, ein Appell. Es war mir wichtig, dies auch musikalisch zu transportierten. Ich finde auch nicht, dass der Titel so aus dem Rahmen fällt, er integriert sich sehr gut. "Brachland" lebt ja von diesen Abwechslungen.

 

Sturmglanz: Ich möchte kurz auf das Layout der Scheibe eingehen. Ich finde dies extrem geschmackvoll fernab dem typischen Black Metal Tonträgern. Verrätst du uns die Inspirationsquelle des Covers und wer es umgesetzt hat?

 

Carthaun: Inspirationsquelle des Covers war natürlich Musik und Inhalt der Texte – mir war es wichtig, dass Optik, Musik und Inhalt eine Einheit bilden, sich gegenseitig ergänzen. Wie schon auf dem Vorgänger „Blutt und Threnen“ ist die Reihenfolge der Titel nicht zufällig so entstanden, sondern sollte vor allem inhaltlich als Bogen gesehen werden – auch wenn keine konkrete Geschichte erzählt wird, steckt doch ein Konzept dahinter. Letztendlich geht es um den Kreislauf „Erhebung – Niedergang – Erhebung“. So ermüdend dieser immerwährende Kreislauf ist, so karg und öde ist der Ort an dem dies geschieht. Bei „Brachland“ ging es mir also in erster Linie darum eine eben solche Atmosphäre herzustellen – Kargheit, Ödnis, verbrannte Erde sollten hörbar gemacht werden, ich stellte mir vor wie der Ort aussehen müsste und hatte vor allem bei den Stücken „Rezitativ I“ und „Rezitativ II“ Verdun 1918 vor Augen – die aufgeworfenen Schlachtfelder und die toten, starren Bäume…

 

Es galt also diesen Ort in all seiner Leere und Verlassenheit darzustellen, aber nicht zu plakativ, im Sinne einer postapokalyptischen Welt. Es sollte unkonkret bleiben. Passend dazu wollte ich eine „vergilbte“ Optik, als handele es sich um Aufzeichnungen aus vergangenen Zeiten – und schließlich sind die verarbeiteten Texte ja auch nichts anderes. Das alles habe ich so unsrem Haus- und Hofgrafiker „Herrn Rabenwacht“ erläutert, der auch schon für das Front-Cover der „Blutt und Threnen“ zuständig war und schon da gute Arbeit geleistet hatte. In der Tat hat Herr Rabenwacht meine Erwartungen dann noch übertroffen - wer sich für weitere Arbeiten von ihm interessiert oder seine Dienste in Anspruch nehmen möchte, dem sei ein Besuch auf rabenwacht.deviantart.com empfohlen.

 

Sturmglanz: Ihr legt sehr viel Wert auf die Texte und auf die Sprache. Mit dem 2008 erschienen Album „Blutt und Threnen“ meinten einige, dies seien Rechtschreibfehler! Warum habt ihr diese alte Ursprungsschreibweisegewählt?

 

Carthaun: Die Schreibweiseist angelehnt an das verarbeitete Gedicht  „Threnen des Vatterlandes anno 1636“, dass auch entscheidend zur Findung des Bandnamens "CARTHAUN" beigetragen hat. Wie schon der Titel besagt, ist dieses Gedicht fast 400 Jahre alt und wurde eben in der damals aktuellen Rechtschreibung verfasst, die sich natürlich mit der heutigen nicht deckt.  Schwer vorstellbar, dass tatsächlich die Annahme bestand, es könne sich um einen Fehler handeln.

 

Sturmglanz:  „Brachland“ deckt ein sehr weites Spektrum musikalischer Einflüsse ab, die auch auf den Bühnen Anklang finden sollten.  Wollt und könnt ihr Live auf der Bühne auftreten. Ist in dieser Hinsicht etwas geplant?

 

Carthaun: Ich würde sehr gerne wieder Live spielen – an Gelegenheiten sollte es nicht mangeln. Wie eingangs erwähnt mangelt es aber an Musikern - ich suche händeringend Gitarrist und Schlagzeuger, vorzugsweise aus dem Einzugsgebiet Köln. Wer Interesse hat, darf dies gern unter " kontakt (at) carthaun.de " bezeugen!

 

Sturmglanz: Die Bandmitglieder sind recht weit voneinander verstreut (gewesen?), war dies der Grund warum zwischen „Blutt und Threnen“ und „Brachland“ über vier Jahre vergangen sind?

 

Carthaun: Ja, natürlich,in erster Linie lag es an der Entfernung und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Außerdem habe ich mich diesmal auch gezwungen Geduld zu bewahren und möglichst wenig Abstriche zu machen. Ich habe nur an "Brachland" gearbeitet, wenn mir der Sinn danach stand und habe zwischenzeitlich auch immer mal ein paar Wochen pausiert um mir eine gewisse Objektivität zu bewahren.

 

Sturmglanz: Ihr habt mit Ewiges Eis Records ein renommiertes Label im Rücken. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?

 

Carthaun: Nach dem Power Rocker Records schon 2005 Pleite gingen, noch bevor unser Debut überhaupt wirklich erschien (es dürften kaum mehr als 30 Stück im Umlauf sein), stellte ein Bekannter damals den Kontakt zu EER her. EER übernahm dann die eigentliche Veröffentlichung. Wir konnten uns schnell von der guten Label-Arbeit überzeugen - nach ein paar Wochen war unsere Scheibe bei zig Händlern, auch außerhalb Europas zu haben. Obendrein haben wir mit EER keinen Vertrag im eigentlichen Sinne - alles läuft eher nach dem Motto "eine Hand wäscht die andere", was mir auch aus idealistischen Gründen sehr gefällt.

 

Sturmglanz: Ihr spielt alle samt in anderen Bands und Projekten. Welche sind denn das?

 

Carthaun:  H hatte wie schon erwähnt bei einer Vielzahl von Bands gespielt, bevor er vor 5 Jahren das Schlagzeug spielen aufgab  - die bekannteste dürfte wohl CAMULOS gewesen sein. U war eine Zeit lang bei KATHAARIAN aktiv - ist aber auch schon eine Weile her. Ich spiele aktuell noch bei SADISM UNBOUND, eine Band die allerdings weder inhaltlich noch stilistisch viele Parallelen zu CARTHAUN aufweist.

 

Sturmglanz: Auf www.carthaun.de seid ihr auch online und für die ganze Welt zu erreichen. Leider ist die Seite nicht mehr auf den aktuellsten Stand. Welche Bedeutung hat für euch das Internet im Bezug auf euer Weiterkommen?

 

Carthaun: Die Seite wurdemit erscheinen unseres Debuts an den Start gebracht, weil ich damals dachte, dass man das so machen müsste und es eben "dazugehört". Je mehr ich allerdings darüber nachdachte, desto unsinniger erschien mir das Ganze. CARTHAUNs Anliegen ist die Schaffung seiner Musik und der darüber transportierten Inhalte - das ist auch schon alles. CARTHAUN ist kein Sprachrohr, kein Propagandainstrument, soll keine konkrete Botschaft vermitteln - schon gar keine weltliche! CARTHAUN steht für sich und bedarf keiner weiteren Erklärungen. Ebenso wenig dient CARTHAUN der Profilierung seiner Mitglieder - "Weiterkommen" ist nebensächlich - natürlich freuen wir uns, wenn unser Zeug auch anderen gefällt, wir werden aber deshalb nicht anfangen uns über das Internet bei der ganzen Welt anzubiedern oder ein wie auch immer geartetes, erfolgversprechendes "Image" aufzubauen.

 

Oftmals wird auf genau diese Dinge ein hohes Maß an Zeit und Energie ver(sch)wendet - doch wofür? Nicht selten beschränkt sich das, was dann dort zu lesen ist - Konzerttermine, Hörproben und Kontaktformular mal ausgenommen – auf narzisstische Selbstdarstellung, tumbe Propaganda oder völlig nichtige, uninteressante und somit überflüssige Informationen. Die Musik tritt dabei zunehmend in den Hintergrund. Der Höhepunkt dieser Auswüchse lässt sich dann bei Facebook und Co betrachten: Bands die einem mitteilen, dass sie gerade im Tourbus sitzen und sich schon auf ihren Auftritt freuen und dass es sicher ein ganz toller und "ultrabrutaler" Abend werden wird, den es so noch nicht gegeben hat (wer hätte das gedacht...) - am laufenden Band werden "ultracoole" Fotos von Konzerten oder Partywochenenden hochgeladen und sich dann gegenseitig gebauchpinselt. Erbärmlich. Ursprünglich entstand BM auch deshalb, um genau diese allgegenwärtige, oberflächliche Pop-Scheiße zu bekämpfen. Dann wurde das ganze salonfähig und jetzt haben wir einen Haufen Vollintegrierter, die gleichzeitig der festen Überzeugung sind, Bestandteil einer elitären Gegenbewegung zu sein.

 

Nun gut - lange Rede, kurzer Sinn: ich habe kein Interesse an diesem Zirkus, daher keine regelmäßigen Aktualisierungen über mein tägliches Befinden und was mein Hausarzt dazu sagt. Natürlich hat das Internet aber auch positive Seiten, erleichtert es doch Informationsbeschaffung und Kontaktaufnahme - dementsprechend wird es weiterhin eine offizielle Seite geben, sowie es auch eine Facebook und Myspace Seite gibt - diese vermitteln aber nur grundlegende Informationen über CARTHAUN.

 

Sturmglanz: Und was stellt Ihr jetzt an? Wie sieht die nahe Zukunft von Carthaun aus?

 

Carthaun: Ungewiss -sicher ist nur, dass es weiter gehen wird.

 

Sturmglanz: Wie sieht ihr die Entwicklung des deutschen und des europäischen Black Metal in den letzten 20 Jahren?

 

Carthaun: Ich kümmere michschon seit einigen Jahren nicht mehr um die aktuellen Szenegeschehnisse, kann also keine objektive Einschätzung geben. Wer soll da auch den Überblick behalten und vor allem: wozu?

 

Ich denke der Siegeszug des Black Metal ist ein zweischneidiges Schwert. Dass BM zunehmend vermarktet wird, war schon Ende der 90iger ein Thema - mittlerweile scheint man sich aber einfach damit abgefunden zu haben, es gar nicht mehr in Frage zu stellen: "echte" Untergrund-Konzerte scheinen eher selten. Wenn dann doch mal jemand was in der Richtung auf die Beine stellt, heißt es dann oft: "geh ich nich hin - kenn ich ja keine Band von". Wenn überhaupt Underground-Bands, dann muss zunächst mal das Image stimmen: eine Band muss oder darf keinesfalls bestimmte Attribute aufweisen, bevor man sich überhaupt mit ihrer Musik auseinander setzt. Überteuerte Großveranstaltungen, auf denen dann fast ausschließlich Szenegrößen spielen erfreuen sich allerdings regem Zulauf. Keine gute Entwicklung in meinen Augen. Aber wie gesagt - nur mein subjektiver Eindruck, vielleicht ist das auch nur ein regionales Problem.

 

Sturmglanz: Ihr habt ja sicherlich die Diskussionen um das Auftrittsverbot von Nargaroth, Moredhell, Eternity und Selbstentleibung auf Castle Invasion bekommen. Wie ist Eure Einstellung zu verboten in der Black Metal Szene?

 

Carthaun: Ehrlich gesagt habe ich nichts davon mitbekommen - ich vermute aber mal, dass es bei den Diskussionen um die übliche NSBM Geschichte geht. Schwierig hier eine pauschale Aussage zu treffen - zu groß ist das Feld und vor allem die Grauzone in der sich das Ganze abspielt. Natürlich ist es kein Geheimnis, dass in den meisten Fällen mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Auf der anderen Seite muss man sich eingestehen, dass derlei Vorwürfe genauso oft nicht ganz unbegründet sind - in der Regel betreffen solche Diskussionen ja Bands, die aus Gründen der Selbstdarstellung/Imageaufbau (womit wir schon wieder beim Thema sind) zumindest mit der ganzen NS Nummer kokettiert haben, was mit ziemlicher Sicherheit auch zu deren Erfolg beigetragen hat. Tja, wer das eine will muss das andere mögen... Natürlich werden diese Dinge von selbsternannten Gesinnungswächtern bewusst hochgespielt, die Fülle der Anschuldigung steht kaum im Verhältnis zu den Tatsachen, Gegenargumentation verhallen ungehört, wenn man sich denn überhaupt äußern darf, oft sind alle Voraussetzungen einer Kollektivhaftung erfüllt und natürlich ist das alles ungerecht - letzteres sogar mit rechtsstaatlichen Grundsätzen unvereinbar. Aber das Leben ist nun mal kein Frankreich-Feldzug um das mal bewusst politisch unkorrekt zu formulieren.

 

Auch wir sahen uns deshalb schon mit derlei Vorwürfen konfrontiert - und das, ohne dass wir jemals irgendeinen konkreten Anlass dafür gegeben hätten. Trotzdem habe ich mich darüber nicht gewundert - es war ganz einfach absehbar. Die Vorwürfe beschränkten sich dann auch darauf, dass H bei MAGOG aktiv war, die ihrerseits im Verdacht standen eine NSBM Band zu sein. Und natürlich, dass wir bei EER veröffentlichen, dessen Inhaber wohl privat  (also außerhalb der Labelarbeit) politisch aktiv sei. Klassische Kollektivhaftung!

 

Das man nicht unbedingt deckungsgleiche Ansichten haben muss, nur weil man miteinander Musik macht, dass es durchaus möglich ist, dass zwei Menschen miteinander auskommen und arbeiten, auch wenn sich deren Interessen nur zum Teil überschneiden, sich andernteils gar widersprechen können, dass man seinen Gegenüber eben nicht ausschließlich nach seinem politischen Standpunkt beurteilt, sondern nach seinem Wesen und Intellekt - das ist für die meisten Menschen erstaunlicherweise unvorstellbar und damit meine ich nicht nur die erwähnten Gesinnungswächter sondern wirklich "die breite Masse", auch innerhalb der BlackMetal-Szene. Auf der anderen Seite hat niemand ein Problem damit sich und sein so mühsam erstelltes und gepflegtes Weltbild täglich mit Füssen zu treten: NSBM Bands haben Facebook-Accounts und unterstützen damit zumindest indirekt den jüdisch-stämmigen Mark Zuckerberg, Anhänger des extrem linken Flügels haben gar kein Problem damit, ihr Geld auf Banken zu lagern, die ausnahmslos in illegale Waffengeschäfte verwickelt sind, auch günstige Elektronik oder Lebensmittel vom Discounter gehen klar, obwohl es kein Geheimnis ist, dass niedrige Preise ohne Ausbeutung und das Schüren von Bürgerkriegen überall auf der Welt nicht möglich sind. -Idealismus fernab der hohlen Phrasendrescherei ist zu einem seltenen Gut geworden.

 

Unglücklicherweise ist es aber doch genau das, worum es ursprünglich bei der ganzen Black Metal Nummer ging: die Abkehr von der Masse und ihrer idiotischen Doppelmoral, die Berufung auf sich selbst, die "In-Frage-Stellung" der modernen Gesellschaft, das "Sich-selbst-als-etwas-höheres-empfinden", weil man eben im Stande ist, die von allen anderen akzeptierten Missstände zu benennen und ausreichend Kraft hat, gegen den Strom zu schwimmen. Woher kommt nun die Sehnsucht wieder Teil einer homogenen Masse zu sein, einer Bewegung, eines "-ismus", der nur zur Folge haben kann, dass jegliche Individualität auf der Strecke bleibt?  Ganz abgesehen davon, ob es nun in Ordnung oder überhaupt möglich ist, Politik, die in der Regel das Wohl einer Gemeinschaft verfolgt und Black Metal, der in meinen Augen für Individualismus in seiner reinsten Form steht, in Einklang zu bringen, muss man sich auch fragen, worüber überhaupt diskutiert wird! Black Metal war von Anfang an musikgewordener Tabubruch und auch wenn ich bspw. alles andere als ein Freund von Imagepflege oder Politik im Black Metal bin, sehe ich keinen Sinn in Verboten. Es ist absolut kontraproduktiv, irgendwelche Regeln aufzustellen, in welchem Rahmen Black Metal stattfinden darf. Letztendlich reden wir von einer Kunstform, für die selbstverständlich Kunstfreiheit gilt.

 

Natürlich kann das nicht gelten, wenn die eigentliche Kunst, also die Musik, von Image oder politischen Aussagen in den Hintergrund gedrängt wird. Dieses Verhältnis könnte vielleicht als Beurteilungsgrundlage dienen um überhaupt erst einmal zu klassifizieren, ob es sich um eine kunstschaffende Band oder ein politisches Propagandainstrument handelt - vermutlich gäbe es schlagartig sehr viel weniger Verbote und die, die noch ausgesprochen würden, stünden nicht zur Diskussion.

 

Sturmglanz: Bitte kommentiere oder ergänze folgende Stichpunkte:

 

·         Friedrich Nietzsche

 

Nietzsches Überlegungen zum Übermenschen sprechen mir zum Großteil aus der Seele: Intellekt, Selbstüberwindung, Kreativität als Werkzeuge mittels derer wir uns zu einem höheren Menschen erheben können, wenn wir denn im Stande sind sie zu nutzen. Ich denke allerdings im Gegensatz zu Nietzsche nicht, dass es ohne Empathie geht- im Gegenteil.

 

·         Europa sollte…         - hier nicht Thema sein.

 

·         Metal Hammer          - keine nennenswerte Assoziation.

 

·         Popstars (Pro7 Sendung) - Hä? Brot und Spiele oder was?

 

·         Wacken Open Air     - Viel zu groß, ich halte nichts von Mega-Events.

 

Sturmglanz:  Abschließend bedanke ich mich für das Interview und wünsche euch alles Gute für die Zukunft! Die letzten Worte gehören dir...

 

Carthaun: Ich bedanke mich meinerseits.

 

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